Finfluencer in der Schweiz - Zwischen Finanzbildung, Reichweite und strategischem Mehrwert

02.02.2026

Finfluencer prägen zunehmend, wie Finanzthemen in der Schweiz wahrgenommen und verstanden werden. Zwischen Finanzbildung, Reichweite und Monetarisierung hat sich ein Ökosystem entwickelt, das für Finanzinstitute kommunikativ relevant ist. Es erfordert jedoch eine klare Einordnung, Transparenz und strategische Klarheit.

Finanzthemen werden zunehmend über soziale Medien konsumiert. Insbesondere jüngere Zielgruppen, Einsteigerinnen sowie Kleinanleger, denen der klassische Zugang über Banken oder Vermögensberater oft nicht zur Verfügung steht oder zu kompliziert erscheint, nutzen diese Kanäle. Social Media-Plattformen wie Instagram, TikTok, YouTube oder LinkedIn sind für viele der erste Berührungspunkt mit dem Thema Investieren.

Klassische Finanzkommunikation setzt häufig eine Portion Wissen voraus: Produktinformationen, Factsheets oder regulatorische Hinweise sind korrekt und notwendig, wirken für diese Zielgruppen jedoch oft komplex und wenig zugänglich. Finfluencer, aber auch Finanzbildungsplattformen, schliessen hier eine wichtige Lücke: Sie erklären Grundlagen, ordnen Entwicklungen ein und senken insbesondere die Einstiegshürden. Damit leisten sie mittlerweile einen relevanten Beitrag zur Finanzbildung in der Schweiz.

Diese Entwicklung verändert auch den Kommunikationskontext für Finanzinstitute. Der Blick auf Finfluencer sollte deshalb weniger von kurzfristigen Marketingüberlegungen geprägt sein, sondern von der Frage, welche Rolle diese Akteure im Schweizer Finanzökosystem tatsächlich einnehmen können.

Ein fragmentierter Markt mit begrenzter Reichweite

Die Zahl an Profilen, Accounts und Formaten im Schweizer Markt wächst stetig. Gleichzeitig bleibt die effektive Reichweite einzelner Akteure im internationalen Vergleich begrenzt. Neben reichweitenstarken Einzelprofilen existieren spezialisierte Nischen-Accounts, Plattformen mit starkem Bildungs- und Community-Fokus, aber auch zahlreiche «Me too»-Profile.

Erfolgreiche Finfluencer-Profile haben meist klare thematische Schwerpunkte, wiedererkennbare Formate, eine konsistente Tonalität und eine authentische Haltung. Wer versucht, alle Finanzthemen gleichermassen abzudecken oder sich opportunistisch an Trends anzupassen, verliert schnell an Glaubwürdigkeit.

Wer den Ton angibt und warum einfache Formate wirken

Exemplarisch lässt sich beobachten, dass der reichweitenstärkste Finfluencer der Deutschschweiz, Fabio Marchesin, alias Finanzfabio, mit einfachen, konsequent wiederholten Formaten arbeitet. Die Inhalte sind bewusst niederschwellig, stark auf Alltagsfragen, Verständlichkeit und Wiedererkennbarkeit ausgerichtet. Sein bekanntestes Format ist sein Podcast, zu dem Expertinnen und Experten wie auch bekannte Vertreterinnen und Vertreter aus dem Finanzumfeld eingeladen werden.

 

Quelle: Screenshot Webseite finanzfabio.ch

Bemerkenswert ist die starke Präsenz von Frauen unter den relevanten Finfluencer, wie beispielsweise Angela Mygind (Miss Finance) oder Helga Bächler (Liebe Finanzen). Gerade in den Segmenten Vorsorge, Finanzplanung und Alltagsfinanzen sind sie überdurchschnittlich vertreten. Viele dieser Profile setzen auf Community-Nähe, persönliche Erfahrungen und lebensnahe Fragestellungen – und erreichen damit Frauen in allen Alterskategorien und Lebenslagen. 

Womit verdienen die Finfluencer ihr Geld?

Finfluencer verfolgen unterschiedliche Geschäftsmodelle, die sich je nach Reichweite, Positionierung und Plattform unterscheiden. Häufig anzutreffen sind bezahlte Kooperationen mit Finanzinstituten oder Anbietern von Finanzprodukten. Weitere Einnahmequellen sind Affiliate-Modelle (beispielsweise über Finanzblogs), eigene Produkte wie Online-Kurse, Bücher oder Membership-Angebote, gesponserte Podcast- und Eventformate sowie Medien- und Auftritte als Speaker.

Beispiel einer Affiliate-Marketing-Kooperation. Quelle Screenshot ETF-Anbietervergleich https://www.schwiizerfranke.com/etf-sparplan-schweiz –
Beispiel einer Affiliate-Marketing-Kooperation. Quelle Screenshot ETF-Anbietervergleich https://www.schwiizerfranke.com/etf-sparplan-schweiz

Der finanzielle Anreiz bewegt laufend neue Finanz- und Anlageexperten und -expertinnen dazu, auf den Zug der Finfluencer aufzusteigen. Jüngere Persönlichkeiten, die ihresgleichen im Visier haben, genauso wie «Best Ager», die mit einem Social Media-Profil ihre Erfahrung und Expertise auf neue Reichweiten in den «mitalternden» Kanälen wie Facebook oder Instagram setzen.

Glaubwürdigkeit als zentrale Währung

Für Finfluencer jedoch gilt: Glaubwürdigkeit ist der entscheidende Erfolgsfaktor. Sie entsteht nicht durch Reichweite allein, sondern durch Konsistenz, Transparenz und langfristige Themenführung. Kooperationen sind grosser Teil ihres Geschäftsmodells und mit zunehmender Anzahl Kooperationen steigt das Risiko, die eigene Marke zu verwässern.

Profile, die Werbung klar kennzeichnen, Kooperationen selektiv eingehen und ihre inhaltliche Linie über längere Zeit beibehalten, geniessen deutlich mehr Vertrauen. Gerade im Finanzbereich, wo Fehlanreize und Interessenkonflikte besonders kritisch wahrgenommen werden, ist diese Glaubwürdigkeit zentral.

Für die Zusammenarbeit von Finanzinstituten und Finfluencer bedeutet das: Nicht jede hohe Reichweite und Präsenz, auch ausserhalb von Social Media, ist automatisch relevant. Entscheidend ist, ob ein Profil mit den eigenen Werten und Zielen, regulatorischen Anforderungen und der gewünschten Tonalität kompatibel ist. Hinzu kommt: Eine Kooperation mit einem Finfluencer heisst auch, das Reputationsrisiko richtig einzuschätzen.

Finanzbildungsplattformen als Alternative

Parallel zu Einzelpersonen gewinnen Finanzbildungsplattformen und thematische Communities an Bedeutung. Sie treten weniger personalisiert auf, investieren stärker in redaktionelle Strukturen und positionieren sich explizit als Wissensanbieter.

Für Unternehmen und Organisationen bieten solche Plattformen interessante Alternativen: Gastbeiträge, Co-Creation-Formate oder inhaltliche Partnerschaften ermöglichen eine tiefere Auseinandersetzung mit Themen, ohne sich an eine einzelne Person zu binden.

Und: Nicht jede Zusammenarbeit muss influencer-getrieben sein. Gerade bei komplexeren Finanzthemen können solche Plattformen eine wirkungsvolle Brücke zwischen Fachwissen und verständlicher Vermittlung schlagen.

Strategische Klarheit vor kurzfristiger Reichweite

Finfluencer spielen im Schweizer Finanzmarkt eine relevante Rolle – insbesondere im Bereich der Finanzbildung, des Erstzugangs zum Investieren und bei Vorsorgethemen. Ihre Wirkung entfalten sie jedoch nicht automatisch, sondern im Zusammenspiel von Glaubwürdigkeit, Themenfit und Zielsetzung.

Eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Finfluencer ist weniger eine Frage des Budgets oder des kurzfristigen Erfolgs, sondern eine der strategischen Einordnung. Entscheidend ist nicht, wer der reichweitenstärkste oder einflussreichste Influencer ist, sondern welche Form der Zusammenarbeit längerfristig zur eigenen Positionierung passt.

Ein weiterer Blog zum Thema: Die Macht der Finfluencer

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