IRF veröffentlicht ESG Monitor Schweiz 2025: Schweizer Unternehmen zwischen Regulierungsdruck und Rückschritt
10.07.2025
Eine aktuelle Studie von IRF, einem führenden Schweizer Beratungsunternehmen für strategische Kommunikation, zeigt, dass kleine bis grosse börsenkotierte Schweizer Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung weiterentwickeln. Während die grosse Mehrheit mittlerweile einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht, nimmt die Breite der angewendeten Standards ab. Die Ergebnisse weisen auf eine stärkere strategische Fokussierung hin, vor dem Hintergrund zunehmender regulatorischer Anforderungen in Europa und der Schweiz.
Freiwillige Reporting-Standards und -Richtlinien spielen weiterhin eine zentrale Rolle in der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Sie dienen Unternehmen als Orientierung, um Nachhaltigkeitsziele zu definieren, Prioritäten zu setzen sowie Fortschritte zu messen und zu kommunizieren. Für das Geschäftsjahr 2024 haben 176 der insgesamt 190 untersuchten Unternehmen – darunter die 47 grössten (SMI Expanded) und erstmals auch 143 kleine und mittelgrosse (SPI Extra) Unternehmen – einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Alle grossen Unternehmen wenden mindestens einen der sechs untersuchten internationalen Rahmenwerke an, zwei Drittel (68%) sogar vier oder mehr. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Unternehmen, die alle sechs untersuchten Rahmenwerke einsetzen, jedoch deutlich gesunken (von 43% auf 21%).
Die gängigsten freiwilligen Standards und ihre Verbreitung im SMI Expanded und SPI Extra
Die Standards der Global Reporting Initiative (GRI) bleiben das mit Abstand meistgenutzte Rahmenwerk: 91% der Unternehmen im SMI Expanded und 80% im SPI Extra wendeten sie an – rund zwei Drittel davon vollständig, ein Drittel in referenzierter Form. Auch die Science Based Targets initiative (SBTi) gewinnt an Bedeutung. Zwei Drittel der grössten (64%) und 22% der kleinen und mittelgrossen Unternehmen sind der Initiative beigetreten. Die meisten haben damit konkrete Klimaziele definiert, andere sich zur Entwicklung solcher Ziele verpflichtet.
Im Gegensatz dazu zeigt sich bei den anderen untersuchten Rahmenwerken erstmals ein Rückgang: Die Nutzung der Standards des Sustainability Accounting Standards Board (SASB), der zehn Prinzipien des UN Global Compact (UNGC), der Sustainable Development Goals (SDGs) und des Carbon Disclosure Project (CDP) hat im SMI Expanded spürbar abgenommen (s. Abbildung 1). Im SPI Extra ist die Anwendung freiwilliger Standards deutlich weniger verbreitet: Rund die Hälfte der Unternehmen nutzt lediglich einen oder zwei Rahmenwerke, zwölf Unternehmen wenden keinen davon an.
Abbildung 1: Anzahl der Unternehmen des SMI Expanded, die nach dem jeweiligen Standard berichten
Berichtsintegration und externe Prüfung nehmen weiter zu
Der Trend zur Integration des Nachhaltigkeitsberichts in den Geschäftsbericht setzt sich fort: 64% der grössten und 54% der kleinen und mittelgrossen Unternehmen verfolgen diesen Ansatz. Damit werden Nachhaltigkeitsthemen zunehmend als Teil der finanziellen und strategischen Gesamtberichterstattung verstanden.
Auch die externe Prüfung von Nachhaltigkeitsinformationen gewinnt weiter an Bedeutung. 81% der Unternehmen im SMI Expanded und 38% der Unternehmen im SPI Extra lassen ihren Bericht ganz oder teilweise prüfen. Das stärkt die Glaubwürdigkeit und schafft Vertrauen bei Investoren, Behörden und weiteren Anspruchsgruppen.
Die Online-Darstellung wurde in diesem Jahr methodisch enger gefasst: Berücksichtigt wurden nur vollständig online veröffentlichte Berichte mit interaktiver Struktur. Auf dieser Basis stellen 32% der Unternehmen im SMI Expanded und 26% der Unternehmen im SPI Extra ihren Bericht digital zur Verfügung. Digitale Formate erleichtern den Zugang, verbessern die Auffindbarkeit und ermöglichen eine flexible Verknüpfung mit weiteren ESG-Inhalten.
Abbildung 2: Anzahl der Unternehmen des SMI Expanded mit integrierter Berichterstattung,
Online-Darstellung (ab 2025 vollständig online) und externer Prüfung
Regulatorische Anforderungen steigen
Die Anforderungen an die ESG-Berichterstattung steigen kontinuierlich. Mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) hat die Europäische Union ein verbindliches Regelwerk geschaffen, das deutlich mehr Unternehmen zur Offenlegung verpflichtet – ab dem Geschäftsjahr 2025 auch viele börsenkotierte KMU.
Auch die Schweiz passt ihre Vorgaben schrittweise an. Eine geplante Senkung der Schwellenwerte würde die Zahl der berichtspflichtigen Unternehmen deutlich erhöhen. Damit geraten insbesondere kleine und mittlere Unternehmen stärker in den Fokus und stehen vor neuen inhaltlichen, organisatorischen und regulatorischen Anforderungen.
Methode
Der ESG Monitor Schweiz 2025 basiert auf der fünften umfassenden Analyse von IRF zur Nachhaltigkeitsberichterstattung börsenkotierter Schweizer Unternehmen. Im Juni 2025 wurden 190 Unternehmen aus dem SMI Expanded und dem SPI Extra auf Basis ihrer bis zum 31. Mai 2025 veröffentlichten Nachhaltigkeitsberichte zum Geschäftsjahr 2024 untersucht. Bei acht Unternehmen wurde der Bericht des Geschäftsjahres 2023 einbezogen, da deren Berichte für das Geschäftsjahr 2024 zum Stichtag noch nicht veröffentlicht waren.
Im Zentrum stand eine Inhaltsanalyse jener Abschnitte, in denen das Berichterstattungs-vorgehen dargestellt wird. Die Angaben wurden zudem mit den Online-Datenbanken der jeweiligen Standards und Initiativen abgeglichen. Bewertet wurde die Anwendung sechs gängigsten freiwilligen ESG-Rahmenwerke sowie die Form der Berichterstattung. Die Ergebnisse wurden mit den Studien aus 2024, 2023 und 2021 verglichen.
Über IRF
In den letzten Jahren hat sich IRF als eines der führenden Schweizer Beratungsunternehmen für Wirtschaftsthemen etabliert. IRF zählt rund 40 schweizerische und internationale Unternehmen zu ihren festen Kunden. Zudem hat sich IRF in der Krisenkommunikation und bei der Begleitung von Kapitalmarkttransaktionen einen Namen gemacht.
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