ESG Reporting Monitor Schweiz 2025
Nachhaltigkeitsberichterstattung nach freiwilligen internationalen Standards von Small- bis Large-Cap
10.07.2025
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Im Jahr 2025 befindet sich die ESG-Berichterstattung im Umbruch: Während die regulatorischen Anforderungen in Europa erheblich zunehmen, verfolgen andere Länder – allen voran die USA – einen entgegengesetzten Kurs. Internationale Unternehmen stehen damit vor der Herausforderung, unterschiedlichen politischen Signalen, Investoren-anforderungen und gesellschaftlichen Erwartungen gerecht zu werden. Insbesondere in Europa verdichtet sich der regulatorische Rahmen stark. Für Unternehmen wird es zunehmend anspruchsvoll, den Überblick über neue Berichtspflichten, Prüf-anforderungen und Standards zu behalten – eine Entwicklung, die auch die Schweiz betrifft. Die nationale Gesetzgebung wird an das europäische Niveau angepasst, was eine deutlich grössere Zahl von Unternehmen in die Pflicht nimmt und die Anforderungen an Transparenz und Governance erhöht. Vor diesem Hintergrund zeigt die diesjährige Analyse der Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen aus dem SMI Expanded und SPI Extra ein hohes Mass an Aktivität, bei gleichzeitig deutlichen Unterschieden: 93% der untersuchten Unternehmen publizieren bereits einen Nachhaltigkeitsbericht, doch die Bandbreite und Tiefe der Berichterstattung variiert deutlich. Im Vergleich zum Vorjahr nutzen die Unternehmen des SMI Expanded im Durchschnitt weniger freiwillige Standards. Insbesondere SASB, UNGC, SDGs und CDP verzeichnen deutliche Rückgänge. Der Trend geht offenbar hin zu einer gezielteren Auswahl statt maximaler Abdeckung, möglicherweise auch als Reaktion auf die zunehmende regulatorische Überfrachtung. Kleinere und mittelgrosse Unternehmen (SPI Extra) zeigen grundsätzlich ein wachsendes Interesse an ESG-Standards, bleiben in ihrer Anwendungstiefe und Standardvielfalt jedoch deutlich hinter den Blue Chips zurück. Zunehmend etabliert sich auch eine stärkere Integration von Nachhaltigkeit in den Geschäftsbericht: 64% der SMI-Unternehmen setzen auf eine integrierte Darstellung, 81% lassen ihren Bericht ganz oder teilweise extern prüfen. Damit entwickelt sich ESG-Berichterstattung schrittweise von einer reinen Pflichterfüllung zu einem strategischen Instrument, das nicht nur Transparenz schafft, sondern auch zur glaubwürdigen Positionierung im Markt beiträgt. Wer die Nachhaltigkeitsberichterstattung heute gezielt einsetzt, stärkt nicht nur seine regulatorische Resilienz, sondern auch das Vertrauen von Investoren, Kunden und Mitarbeitenden. |
Zwischen Regulierung, Widerstand und Wandel
Im Jahr 2025 befindet sich die Nachhaltigkeitsberichterstattung in einem paradoxen Spannungsfeld: Regulatorisch auf dem Vormarsch, politisch unter Druck, gesellschaftlich umkämpft.
Während die Europäische Union mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) die bislang umfassendsten Standards für ESG-Transparenz eingeführt hat, weht aus anderen Weltregionen – insbesondere den USA – ein spürbar anderer Wind: politischer Gegenkurs, Deregulierung, ESG-Kritik. Die US-Regierung unter Trump hat eine klare Abkühlung gegenüber Nachhaltigkeitsagenden, Klimazielen und Diversity-Initiativen ausgelöst.
Dieser Kurswechsel führt dazu, dass in den USA viele Unternehmen ESG-Initiativen zurückfahren, Berichtspflichten lockern und sich weniger offen zu Klimastrategien bekennen. ESG wird dort zunehmend politisiert und in konservativen Kreisen als Symbol für ideologisch motivierte Regulierung bekämpft.
Gleichzeitig zeigt sich in Europa das Gegenteil: Die CSRD ist vollständig in Kraft, die ersten Unternehmen berichten bereits nach den neuen Vorgaben. Damit wächst die Kluft zwischen den Welten und die Frage: Wie positionieren sich international tätige Unternehmen in diesem Spannungsfeld?
In vielen Vorstandsetagen herrscht 2025 ein Mix aus Regulierungspflicht, strategischer Einsicht und ESG-Müdigkeit. Doch die Faktenlage ist klar: Wer in oder mit Europa wirtschaftet, kommt an den neuen Pflichten nicht vorbei.
Die CSRD verpflichtet seit 2024 grosse EU-Unternehmen und ab dem Geschäftsjahr 2025 auch viele börsenkotierte KMU zu umfassender ESG-Berichterstattung. Die Schwellenwerte sind niedrig (zwei von drei: 250 Mitarbeitende, 40 Mio. € Umsatz, 20 Mio. € Bilanzsumme), betroffen sind rund 60'000 Unternehmen.
Zu den wesentlichen Neuerungen der CSRD gehört, dass Unternehmen umfassender und nach einheitlicheren Massstäben berichten müssen. Darüber hinaus müssen Nachhaltigkeits-informationen integraler Teil des Lageberichts sein und die Nachhaltigkeitsberichterstattung extern geprüft werden. Das zeigt deutlich, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung sukzessive mit der traditionellen Finanzberichterstattung gleichgestellt werden soll. In der CSRD wird auch das Prinzip der doppelten Wesentlichkeit («Double Materiality») verankert, wonach Unternehmen dazu verpflichtet sind, sowohl über die Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf Mensch und Umwelt (sog. «Impact Materiality», Inside-Out Perspektive) als auch über die Auswirkungen von Nachhaltigkeitsaspekten auf das Unternehmen (sog. «Financial Materiality», Outside-In Perspektive) zu berichten.
Diese Anforderungen sind für viele Unternehmen, insbesondere für kleine und mittelgrosse Unternehmen, eine erhebliche Herausforderung. Die Komplexität der Inhalte, die Breite der Berichtsanforderungen und die begrenzten internen Ressourcen machen die Umsetzung aufwändig. Die Vielzahl an sektorübergreifenden und branchenspezifischen Standards, Formatvorgaben, Prüfpflichten und digitaler Offenlegungspflichten führt dazu, dass viele Unternehmen auf externe Unterstützung angewiesen sind.
Die CSRD wird ergänzt durch die EU-Taxonomie und die Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) – ein eng verzahntes Regulierungsnetz, das insbesondere grosse, kapitalmarktorientierte oder international aktive Unternehmen betrifft, aber zunehmend auch kleinere Akteure erfasst.
Die Schweiz unter Anpassungsdruck
Auch die Schweiz hat ihre ESG-Gesetzgebung schrittweise verschärft. Seit dem 1. Januar 2022 gelten in der Schweiz neue Vorschriften gemäss Obligationenrecht (Art. 964a-c OR). Verpflichtet sind derzeit Publikumsgesellschaften, Banken und Versicherungen zur Berichterstattung über Klimabelange, wenn sie mindestens zwei der folgenden drei Grössen in zwei aufeinander folgenden Geschäftsjahren überschreiten: 500 Mitarbeitende, ein Umsatzerlös von 40 Millionen Franken oder eine Bilanzsumme von 20 Millionen Franken. Sie müssen jährlich berichten über:
Im Frühjahr 2025 wurde eine Vernehmlassung zur Ausweitung der Berichtspflicht abgeschlossen, eine Gesetzesvorlage ist in Arbeit. Ziel ist die Absenkung der Schwellenwerte auf 250 Mitarbeitende, 40 Mio. CHF Umsatz oder 25 Mio. CHF Bilanzsumme, analog zur EU. Durch diese Senkung der Schwellenwerte wären künftig etwa 3'500 Unternehmen in der Schweiz berichterstattungspflichtig, statt wie bisher rund 300.
Globale Divergenz – und ihre strategische Bedeutung
Für Unternehmen mit internationaler Tätigkeit ist das eine strategische Herausforderung. Wer in sowohl in der Schweiz oder EU als auch in deregulierten Märkten wie den USA aktiv ist, muss mit unterschiedlichen Erwartungen, politischen Signalen und Investorenforderungen umgehen.
Doch auch im weniger regulierten Märkten bleibt ESG ein Thema, nicht aus politischem Zwang, sondern aus Marktdruck, Reputationsrisiken und Kapitalanforderungen. Denn viele institutionelle Investoren verlangen weiterhin belastbare Nachhaltigkeitsdaten.
Die Nachhaltigkeitsberichterstattung im Jahr 2025 ist nicht mehr idealistisch, sondern realistisch. Sie ist reguliert, vergleichbar, prüfbar – und unverzichtbar, wenn Unternehmen Vertrauen schaffen, Kapital sichern und langfristig erfolgreich wirtschaften wollen.
Für die vorliegende Studie wurden sämtliche bis zum 31. Mai 2025 veröffentlichten Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen der Schweizer Aktienindizes SMI Expanded und SPI Extra ausgewertet, um einen umfassenden Einblick in die Nachhaltigkeitsberichterstattung für das Geschäftsjahr 2024 zu gewinnen. Der SMI Expanded bildet die 50 höchstkapitalisierten Schweizer Unternehmen ab, während der SPI Extra Small- und Mid-Cap-Unternehmen umfasst, die nicht im SMI gelistet sind.
176 der 190 untersuchten Unternehmen (93%) widmen dem Thema Nachhaltigkeit entweder ein umfangreiches Kapitel in ihrem Geschäftsbericht oder publizieren einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht. Die 14 Unternehmen, die keinen Bericht publiziert haben, stammen allesamt aus dem SPI Extra und bilden damit eine klare Minderheit. Bei acht Unternehmen wurde der Bericht des Geschäftsjahres 2023 einbezogen, da deren Berichte für das Geschäftsjahr 2024 zum Stichtag noch nicht veröffentlicht waren.
Im Folgenden werden die sechs gängigsten freiwilligen Standards und Richtlinien in Bezug auf die Nachhaltigkeitsberichterstattung vorgestellt und deren praktische Anwendung innerhalb der Unternehmen des SMI Expanded und des SPI Extra analysiert. Ergänzt wird dies durch einen Rückblick auf die Entwicklungen der vergangenen Jahre – mit einem direkten Vergleich zu den IRF-Studien zur Nachhaltigkeitsberichterstattung der Unternehmen des SMI Expanded aus den Jahren 2024, 2023 und 2021.
Unter den 47 Unternehmen des SMI Expanded zeigt sich nach wie vor ein hohes Engagement: Mehr als zwei Drittel (68%) wenden mindestens vier Standards an, wobei zehn Unternehmen alle sechs untersuchten Rahmenwerke berücksichtigen. Lediglich ein Unternehmen verzichtete vollständig auf die Anwendung freiwilliger Standards – eine Ausnahme im sonst hoch standardisierten Umfeld der Blue Chips.
Im Vergleich zu den Vorjahren bleibt das Niveau der Standardanwendung im SMI Expanded hoch, zeigt aber eine deutliche Verschiebung in der Verteilung. Während 2024 noch 43 Prozent der Unternehmen alle sechs Standards anwendeten – der bisherige Höchstwert – ist dieser Anteil 2025 deutlich gesunken. Gleichzeitig hat sich die Nutzung von vier Standards deutlich erhöht, was darauf hinweisen könnte, dass Unternehmen ihre Berichterstattung stärker fokussieren und heute gezielter priorisieren, welche Rahmenwerke für sie strategisch relevant sind. Die langfristige Entwicklung seit 2021 ist in Abbildung 1 dargestellt.
Abb. 1: Anzahl der angewendeten Standards unter den Unternehmen des SMI Expanded
Anders präsentiert sich das Bild bei den 129 Unternehmen des SPI Extra, die einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen. Hier nutzen 2025 nur rund 20% vier oder mehr Standards, während mehr als die Hälfte (57%) lediglich einen oder zwei Standards anwenden – oder ganz darauf verzichten. Zwölf Unternehmen haben keinen freiwilligen Standard angewendet.
Diese Gegenüberstellung (s. Abb. 2) macht deutlich: Während Nachhaltigkeitsberichterstattung im SMI Expanded inzwischen fester Bestandteil der Unternehmensstrategie ist, befinden sich viele kleine und mittelgrosse Unternehmen noch im Aufbau entsprechender Prozesse – oder berichten primär auf gesetzlicher Mindestbasis.
Abb. 2: Verteilung der angewendeten Standards unter den Unternehmen des SMI Expanded & SPI Extra (in Prozent)
Abb. 3: Anzahl der Unternehmen des SMI Expanded, die nach dem jeweiligen Standard berichten Global Reporting Initiative (GRI)
Die Standards der Global Reporting Initiative sind die weltweit am weitesten verbreiteten Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Sie unterstützen Unternehmen dabei, ihre wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Auswirkungen zu verstehen und offenzulegen. Die GRI-Standards decken ein breites Spektrum an Themen ab, darunter Umweltauswirkungen, Menschenrechte und Lieferkettenmanagement. Es wird unterschieden zwischen GRI-Universalstandards, die für alle Organisationen gelten, GRI-Branchenstandards, die für bestimmte Branchen gelten, und GRI-Themenstandards, die jeweils Angaben zu einem bestimmten Thema enthalten.
Ende des Jahres 2021 wurden die GRI-Standards umfassend aktualisiert. Diese Neuerungen betreffen auch die Reporting-Optionen. Während es vorher die Möglichkeit der Wahl zwischen den Optionen «Kern», «Umfassend» und «Referenziert» gab, wird nach den neuen Standards nur zwischen einer Übereinstimmung mit den GRI-Standards und einer Referenzierung der GRI-Standards unterschieden. Beim ersten Ansatz berichten Unternehmen umfassend über alle wesentlichen Themen und die damit verbundenen Auswirkungen sowie darüber, wie sie mit diesen Themen umgehen. Unternehmen, die manche Anforderungen der GRI-Standards nicht erfüllen können oder nur bestimmte Informationen berichten möchten, können den zweiten Ansatz wählen.
Im Berichtsjahr 2025 erstellen 43 der 47 untersuchten Unternehmen des SMI Expanded (91%) ihren Nachhaltigkeitsbericht auf Basis der GRI-Standards. 26 dieser Unternehmen berichten in Übereinstimmung mit den Standards, 17 nutzen eine Referenzierung. Damit bleibt die GRI-Anwendung im SMI Expanded nahezu flächendeckend und zeigt über die letzten Jahre hinweg ein stabiles Niveau: Bereits 2023 und 2024 hatten 45 Unternehmen die GRI-Standards angewendet, 2021 waren es 30.
Auch im SPI Extra ist die GRI-Verbreitung beachtlich: Von den 129 Small- und Mid-Cap-Unternehmen, die einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, wenden 103 (80%) die GRI-Standards an – davon 69 in Übereinstimmung und 34 mit Referenzierung.
Sustainability Accounting Standards Board (SASB)
Die Standards des Sustainability Accounting Standards Board bieten einen branchenspezifischen Rahmen zur Offenlegung finanziell wesentlicher Nachhaltigkeitsinformationen. Sie unterstützen Unternehmen dabei, jene ESG-Themen zu identifizieren, zu steuern und zu kommunizieren, die für die finanzielle Leistung in ihrer jeweiligen Branche besonders relevant sind. Ziel ist es, die klassische Finanzberichterstattung um wesentliche Nachhaltigkeitsaspekte zu ergänzen – etwa durch die Einbeziehung klimabezogener Risiken und deren potenzieller Auswirkungen auf das Unternehmen. Seit August 2022 werden die SASB-Standards von der International Sustainability Standards Board (ISSB) der IFRS Foundation betreut und weiterentwickelt.
Im Jahr 2025 integrierten 19 der 47 Unternehmen des SMI Expanded die SASB-Standards in ihren Nachhaltigkeitsbericht, was rund 40 Prozent entspricht. Damit ist erstmals seit mehreren Jahren ein deutlicher Rückgang zu beobachten. In den Vorjahren hatten sich noch 31 Unternehmen (2024) respektive 30 Unternehmen (2023) an den SASB-Standards orientiert. Seit 2021, als erst 16 Unternehmen die Standards nutzten, war die Verbreitung zunächst stetig gestiegen.
Im SPI Extra spielen die SASB-Standards kaum eine Rolle. Von den 129 untersuchten Unternehmen, die einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, gaben lediglich vier (3%) an, die Standards in ihren Nachhaltigkeitsbericht zu integrieren. Einige weitere Unternehmen erwähnen eine Orientierung an den SASB-Standards im Rahmen ihrer Materialitätsanalyse, ohne diese systematisch anzuwenden.
Viele Unternehmen kombinieren in ihrer Berichterstattung die SASB- und GRI-Standards und stellen die Inhalte in einem gemeinsamen Verzeichnis dar. Diese Doppelanwendung hat sich bewährt, da die beiden Rahmenwerke unterschiedliche, sich ergänzende Perspektiven abdecken: Während sich die SASB-Standards auf finanziell wesentliche ESG-Themen aus Sicht der Investoren («Financial Materiality») fokussieren, bietet das GRI-Framework einen breiten Zugang zur Wirkung des Unternehmens auf Umwelt und Gesellschaft («Impact Materiality»).
UN Global Compact (UNGC)
Der UN Global Compact ist eine von den Vereinten Nationen ins Leben gerufene Initiative, die Unternehmen dazu zu ermutigen soll, eine nachhaltige und sozial verantwortungsvolle Geschäfts-politik zu verfolgen. Mit dem Beitritt bekennen sich Unternehmen zu zehn universell anerkannten Prinzipien in den Bereichen Menschenrechte, Arbeit, Umwelt und Korruptionsbekämpfung und verpflichten sich, regelmässig über ihre Fortschritte zu berichten. Weltweit haben sich inzwischen rund 25’000 Unternehmen und Organisationen aus 167 Ländern dem UN Global Compact angeschlossen.
31 der 47 untersuchten Unternehmen des SMI Expanded (66?%) haben den UN Global Compact unterzeichnet, wie der UNGC-Online-Datenbank entnommen werden kann. Mit der Unterzeichnung verpflichten sie sich nicht nur zu den Prinzipien des UNGC, sondern auch zur Vorlage eines jährlichen Fortschrittberichts. Das zeigt ein fortlaufendes Bekenntnis zu den Prinzipien des UNGC auf Ebene des Verwaltungsrats und/oder der Geschäftsführung. In den Vorjahren lag die Zahl der Unternehmen, die den UNGC unterzeichnet hatten bei 37 (2024), 36 (2023) und 28 (2021), was auf einen leichten Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren hinweist.
Auch unter den Unternehmen des SPI Extra ist der UN Global Compact vertreten: 34 der 129 untersuchten Unternehmen (26?%), die einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, haben sich der Initiative angeschlossen. Dies zeigt, dass auch kleinere Unternehmen zunehmend Verantwortung im Rahmen internationaler Prinzipien übernehmen – wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau als im Mid- und Large-Cap-Segment des SMI Expanded.
Sustainable Development Goals (SDGs)
Die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) wurden im Jahr 2015 von den Vereinten Nationen als Teil der Agenda 2030 verabschiedet. Sie adressieren zentrale Herausforderungen globaler Entwicklung – von Armutsbekämpfung und Klimaschutz über Geschlechtergleichstellung bis hin zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum – und umfassen alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit (Umwelt, Soziales und Governance).
Obwohl die SDGs ursprünglich nicht als spezifisches Rahmenwerk für die Unternehmens-berichterstattung konzipiert wurden, dienen sie heute vielen Unternehmen als strategischer Orientierungsrahmen. Sie helfen dabei, relevante Nachhaltigkeitsziele zu definieren, Prioritäten zu setzen sowie Fortschritte transparent zu messen und zu kommunizieren. Um die Integration der SDGs in die unternehmerische Berichterstattung zu erleichtern, haben der UN Global Compact, GRI und World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) den sogenannten «SDG Compass» entwickelt.
Die Sustainable Development Goals sind mittlerweile fester Bestandteil der Nachhaltigkeits-berichterstattung vieler Schweizer Unternehmen. Im Berichtsjahr 2025 haben 40 der 47 untersuchten Unternehmen des SMI Expanded (85?%) die SDGs in ihren Bericht integriert. Das sind jedoch spürbar weniger als im Vorjahr, in dem noch 46 Unternehmen die SDGs aufgegriffen hatten. Auch gegenüber 2023 (42 Unternehmen) ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen – und damit erstmals seit 2021 (32 Unternehmen) kein weiteres Wachstum. Zwar bleibt die Verbreitung auf hohem Niveau, die abnehmende Zahl deutet jedoch darauf hin, dass einige Unternehmen ihre Berichtslogik überdenken oder sich verstärkt auf andere Rahmenwerke konzentrieren.
Von den Unternehmen, die die SDGs weiterhin berücksichtigen, kombinieren 38 sie mit den GRI-Standards (95?%) und 25 (63?%) zusätzlich mit den Prinzipien des UN Global Compact, was auf die fortbestehende Verankerung der SDGs in umfassendere Berichtsstrukturen hinweist.
88 der 129 untersuchten Unternehmen des SPI Extra (68%), die einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, haben die SDGs in ihren Nachhaltigkeitsbericht integriert. In den meisten Fällen erfolgt dies in Kombination mit den GRI-Standards: 78 dieser Unternehmen (89?%) verknüpfen beide Rahmenwerke. 23 Unternehmen (26?%) gehen noch einen Schritt weiter und beziehen zusätzlich die Prinzipien des UN Global Compact mit ein. Im Vergleich zum SMI Expanded zeigt sich damit ein grundsätzliches Interesse an den SDGs, allerdings mit geringerer Verbreitung und Tiefe der Integration.
Ein zentraler Bestandteil der Nachhaltigkeitsberichterstattung ist die Offenlegung der unternehmensbezogenen CO2-Emissionen. Das international am weitesten verbreitete und anerkannte Rahmenwerk zur Erfassung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen ist das Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol). Es bietet Unternehmen einen standardisierten Ansatz zur Emissionsmessung und schafft damit die Grundlage für Vergleichbarkeit, Transparenz und Glaubwürdigkeit. Das GHG Protocol unterteilt die Emissionen von Unternehmen in drei Kategorien: Scope 1 umfasst direkte Emissionen aus unternehmenseigenen Quellen, Scope 2 bezieht sich auf indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie, und Scope 3 umfasst alle weiteren indirekten Emissionen entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette. Die folgenden Standards beziehen sich auf Messungen nach dem GHG Protocol.
Carbon Disclosure Project (CDP)
Das Carbon Disclosure Project (CDP) ist eine international tätige Non-Profit-Organisation, die Unternehmen dabei unterstützt, ihre Treibhausgasemissionen systematisch zu erfassen, zu steuern und transparent zu berichten. Einmal jährlich werden Unternehmen aufgefordert, über standardisierte Fragebögen Informationen zu ihren Emissionen, Klimastrategien und weiteren umweltbezogenen Themen offenzulegen. Die eingereichten Daten werden in einer öffentlich zugänglichen Online-Datenbank erfasst und bewertet.
Mit rund 22’700 bewerteten Unternehmen im Jahr 2024 ist das CDP die weltweit grösste Umweltdatenbank. Die Bewertung erfolgt in den Bereichen Klima, Wälder und Wasser und reicht von A (Bestnote) bis D. Unternehmen, die keine ausreichenden Angaben machen oder den Fragebogen nicht ausfüllen, werden mit der Bewertung F eingestuft. Für diese Studie wurden die CDP-Ratings im Bereich Klima von A bis D berücksichtigt.
Im Jahr 2025 haben 32 der 47 untersuchten Unternehmen des SMI Expanded (68?%) den CDP-Fragebogen zum Klimabericht ausreichend ausgefüllt. Damit liegt die Beteiligung spürbar unter dem Niveau der beiden Vorjahre: Sowohl 2023 als auch 2024 hatten jeweils 37 Unternehmen teilgenommen. Von den 32 berichtenden Unternehmen im aktuellen Jahr wurden 22 in den Kategorien A oder B bewertet, sechs im Bereich C und vier erhielten die Bewertung D.
Im SPI Extra ist die Beteiligung deutlich geringer: 40 der 129 untersuchten Unternehmen (31%), die einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, haben den CDP-Fragebogen vollständig ausgefüllt. Die Bewertungen fallen gemischt aus: 20 dieser Unternehmen wurden in die Kategorien A oder B eingestuft, zehn mit C und zehn mit D.
Science Based Targets initiative (SBTi)
Die Science Based Targets initiative (SBTi) ist eine globale Partnerschaft von CDP, dem UN Global Compact, dem World Resources Institute (WRI) und dem WWF. Sie unterstützt Unternehmen dabei, wissenschaftlich fundierte Ziele zur Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen zu setzen – im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen und dem Ziel, die globale Erwärmung auf 1,5?°C zu begrenzen. Mit dem im Oktober 2021 eingeführten Net-Zero Standard bietet die SBTi Unternehmen zudem einen klar definierten, wissenschaftlich fundierten Rahmen für die langfristige Klimastrategie bis hin zur Erreichung von Netto-Null-Emissionen.
Eine Online-Datenbank der SBTi listet Unternehmen auf, die bereits wissenschaftlich fundierte Ziele gesetzt oder sich verpflichtet haben, diese innerhalb von 24 Monaten zu entwickeln. Laut aktuellen Daten (Stand Juni 2025) haben weltweit rund 10’700 Unternehmen entweder wissenschaftlich fundierte Emissionsreduktionsziele festgelegt oder sich dazu verpflichtet. Rund 8’000 Unternehmen verfügen bereits über validierte Ziele und rund 1’800 Unternehmen haben Net-Zero-Ziele formuliert. Die SBTi gilt damit als international anerkannter Referenzrahmen für glaubwürdige Klimaziele und gewinnt auch bei Investoren, Regulierungsbehörden und Ratingagenturen zunehmend an Bedeutung.
Im Jahr 2025 sind 30 der 47 untersuchten Unternehmen des SMI Expanded (64?%) in der Datenbank der Science Based Targets initiative (SBTi) gelistet. Davon haben 24 bereits validierte, wissenschaftlich fundierte Emissionsreduktionsziele veröffentlicht, während sechs Unternehmen der Initiative beigetreten sind und derzeit an der Entwicklung entsprechender Ziele arbeiten. Im Gegensatz zu anderen untersuchten Rahmenwerken ist die Zahl der SBTi-gelisteten Unternehmen im SMI Expanded nicht zurückgegangen: Nach 16 Unternehmen im Jahr 2021 und jeweils 28 und 29 in den Jahren 2023 und 2024 ist 2025 ein leichter Anstieg zu verzeichnen.
Im SPI Extra ist die Beteiligung an der SBTi deutlich geringer: 29 der 129 untersuchten Unternehmen (22%), die einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, sind in der Datenbank verzeichnet. Davon haben 16 bereits wissenschaftlich fundierte Klimaziele gesetzt, während 13 sich zur Zielentwicklung verpflichtet haben. Auffällig ist, dass zwei Unternehmen ihre Near-Term- und Net-Zero-Ziele wieder zurückgezogen haben – ein seltener, aber wachsam zu beobachtender Schritt im dynamischen Umfeld der Klimaberichterstattung.
Abb. 4: Anzahl der Unternehmen des SMI Expanded, die der SBTi beigetreten sind oder bereits Emissionsreduktionsziele im Rahmen der SBTi gesetzt haben
Im Berichtsjahr 2025 setzen erneut viele Unternehmen auf eine integrierte Nachhaltigkeits-berichterstattung. 30 der 47 analysierten Unternehmen des SMI Expanded (64%) haben ihren Nachhaltigkeitsbericht in den Geschäftsbericht eingebunden – genauso viele wie im Vorjahr. Diese Form der Berichterstattung ermöglicht es, finanzielle und nicht-finanzielle Aspekte in einem Dokument zu verknüpfen, was eine ganzheitliche Bewertung der Unternehmensleistung unterstützt. Sie bleibt damit auf breiter Basis etabliert. Zum Vergleich: In den Jahren 2023 und 2021 entschieden sich jeweils 24 Unternehmen für diese Berichtsform.
Die Online-Darstellung verzeichnet im aktuellen Jahr tiefere Zahlen, was jedoch auf eine methodische Anpassung zurückzuführen ist. Berücksichtigt wurden ausschliesslich Berichte, die vollständig online veröffentlicht wurden als Ergänzung zum PDF-Download. Diese Art der Darstellung bietet mehrere Vorteile, darunter die Vernetzung von Inhalten durch Hyperlinks, interaktive Elemente und eine bessere Auffindbarkeit über Suchmaschinen. Nachhaltigkeits-berichte, die lediglich in Teilen online verfügbar sind, wurden nicht berücksichtigt, da eine klare Abgrenzung zunehmend schwierig ist. Auf dieser Basis haben 15 Unternehmen des SMI Expanded (32%) ihren Bericht vollständig online dargestellt. In den Vorjahren lagen die Zahlen, bei einer breiteren Definition, deutlich höher: 41 im Jahr 2024, 29 im Jahr 2023 und 21 im Jahr 2021.
Die externe Prüfung von Nachhaltigkeitsinformationen gewinnt weiter an Bedeutung. 38 Unternehmen aus dem SMI Expanded (81%) liessen ihren Bericht ganz oder in Teilen durch eine unabhängige Stelle prüfen – mehr als in den Vorjahren (35 im Jahr 2024, 31 im Jahr 2023, 21 im Jahr 2021). Das unterstreicht den wachsenden Anspruch an Transparenz, Verlässlichkeit und Datenqualität
Auch die Unternehmen des SPI Extra nähern sich diesem Niveau an. 70 der 129 untersuchten Small- und Mid-Caps (54%), die einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, integrieren ihren Nachhaltigkeitsbericht in den Geschäftsbericht. 33 (26%) präsentieren ihn vollständig online, und 49 (38%) lassen ihn extern prüfen. Damit zeigt sich, dass auch kleinere Unternehmen zunehmend Wert auf Professionalität und Transparenz in der Nachhaltigkeitskommunikation legen.
Abb. 5: Anzahl der Unternehmen des SMI Expanded mit integrierter Berichterstattung,
Online-Darstellung (ab 2025 vollständig online) und externer Prüfung
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Standard |
Typische Anwendungsbereiche |
Nutzen und Zielsetzung |
Empfehlung für die Unternehmens-kommunikation |
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GRI |
Unternehmen aller Grössen und Branchen – insbesondere als Einstieg und Basisstandard |
Umfassende Abdeckung aller ESG-Themen; hohe internationale Akzeptanz; gute Vergleichbarkeit |
Ideal als Grundgerüst |
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SASB |
Kapitalmarktorientierte Unternehmen mit branchenspezifischer ESG-Risikolage |
Finanzielle Wesentlichkeit; Investorenrelevanz; Ergänzung zur klassischen Finanzberichterstattung |
Ideal in Kombination mit GRI; besonders für börsenkotierte Unternehmen relevant |
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UNGC |
Unternehmen mit internationaler Präsenz & CSR-Commitment |
Positionierung durch Werte & Prinzipien; international anschlussfähig |
Kommunikativ wirksam; einfach umsetzbar; stärkt Reputation und Vertrauen |
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SDGs |
Unternehmen mit gesellschaftlicher Wirkung & Nachhaltigkeitsstrategie |
Narrative Verankerung von Nachhaltigkeit |
Hilfreich für Storytelling & Visualisierung – aber allein nicht ausreichend |
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CDP |
Unternehmen mit hoher Umweltexponierung oder Investorenfokus |
Internationale Benchmarking-Plattform; relevante Kennzahlen zu Klimastrategien und Emissionen |
Für transparente Klimakommunikation und Investor Relations zunehmend unerlässlich |
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SBTi |
Unternehmen mit ambitionierten Klimazielen oder ESG-Führungsanspruch |
Wissenschaftlich fundierte Emissionsziele; hohe Glaubwürdigkeit |
Strategisch wertvoll bei glaubwürdiger Positionierung; setzt klare Standards, erfordert jedoch Ressourcen und Commitment |
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