M&A

Unternehmen werden gekauft und verkauft, es werden Beteiligungen oder Sparten aufgebaut oder veräussert. Transaktionen, ob als Ergebnis fundierter Strategieprozesse oder ob aus der Not geboren, sind für die Reputation eines Unternehmens und deren Führungscrews prägend. Die Kommunikation soll zum Erfolg des Vorhabens beitragen, indem sie Vertrauen stiftet, Transparenz schafft und Verunsicherung minimiert, vom Projektbeginn über die Ankündigung, das Closing bis zum Vollzug der Integration. Sie bewegt sich dabei im Spannungsfeld zwischen Vertraulichkeit und zunächst vielen offenen Fragen einerseits und dem hohen Informationsbedürfnis aller Anspruchsgruppen anderseits.

Typische Herausforderungen
Umgang mit Gerüchten und Lecks

Je länger die Diskussionen im Vorfeld, desto höher die Gefahr eines Lecks. Das verfrühte Durchsickern unvollständiger Informationen kann den Prozess gefährden. Soll eine «Intention to merge, buy or sell» publiziert werden, wenn ja, wie detailliert?

Warum, wer profitiert, weshalb jetzt?

Jede Transaktion muss als sinnvoll verstanden werden. Dafür braucht es klare, konsistente Kernbotschaften über alle Zielgruppen hinweg.

Wie sich den Rückhalt wichtiger Personen sichern?

Die Ankündigung der Transaktion kommt meist überraschend. Wann können, sollen, dürfen für die Rezeption wichtige Personen mit einbezogen werden?

Öffentliche Übernahmeangebote sind doppelt anspruchsvoll

Bei börsenkotierten Unternehmen erhöhen die Regeln der Übernahmekommission und der Ad-hoc-Publizität die Komplexität.

Rezeption von Medien und bei öffentlichen Gesellschaften des Kapitalmarkts antizipieren

Auf welchen Boden fällt die Ankündigung? Wer wird die öffentliche Meinung beeinflussen? Wie sich auf zu erwartende Kritik vorbereiten?

Personalisiertes Vertrauen

Die Führungskräfte stehen mit ihrer eigenen Reputation für eine Transaktion ein. Wer vermittelt sie welchen Zielgruppen?

Fokus interne Kommunikation

Ab der Ankündigung ist die interne, integrierende Kommunikation wichtig, um die Transaktion für Mitarbeitende nachvollziehbar zu machen und Unsicherheiten, auch über die persönliche Zukunft, zu klären.

Die weiteren Führungskräfte kommunikativ befähigen

Dabei sind die Linienvorgesetzten wichtige Multiplikatoren. Ihnen sind geeignete Instrumente in die Hand zu geben.

Identität und Kultur adressieren

Nach erfolgter Ankündigung gewinnt die Frage „Wer sind wir künftig?“ an Bedeutung. Die Kommunikation muss rasch Gewissheit schaffen, was ändert, was bleibt.

Erfahrungen und Erkenntnisse

Öffentliche Übernahmeangebote - diese werden von Kapitalmarkt und Medien entlang von fünf Themen beurteilt:

1. Preis und Premium

Der Angebotspreis setzt den ersten Referenzpunkt für die Bewertung durch den Markt, lässt sich jedoch nur durch die zugrunde liegende Wertschöpfungsentwicklung (Synergien, Ertrag, Skaleneffekte) rechtfertigen.

2. Logik und strategischer Fit

Die industrielle oder finanzielle Begründung der Transaktion muss sofort einleuchten.

3. Glaubwürdigkeit und Leistungsausweis

Die Reputation und Historie des Käufers prägen die Einschätzung des Vorhabens
wesentlich.

4. Transparenz und Umgang mit Unsicherheit

Offene Punkte und Annahmen werden vom Kapitalmarkt genau beobachtet und interpretiert.

5. Timing

Der Tag der Ankündigung – in der Regel am Tag nach der Unterzeichnung der Transaktionsvereinbarung – bestimmt die dominierende Wahrnehmung. Der erste Aufschlag muss sitzen.

Unterschiedliche Perspektiven auf die Käufertypen bei einem Verkauf

Bei einem Private-Equity-Käufer sind für die einzelnen Anspruchsgruppen teils andere Themen relevant als bei einem industriellen Käufer, wie diese Darstellung verdeutlicht:

ZielgruppeThemen bei allen KäufertypenStrategischer KäuferPrivate Equity
MitarbeitendeJob-Sicherheit, Kultur, Führung und MitbestimmungAngst vor Konzernlogik, Bürokratie, StandortabbauAngst vor Kostensenkung, kurzfristigem Denken, Exit
KundenQualität, Kontinuität, VerlässlichkeitSorge vor Standardisierung, PreisänderungenSorge vor Serviceabbau, Fokus auf Marge
Partner/LieferantenVertragsstabilität, MachtverhältnisseAngst vor stärkeren EinkaufsdruckAngst vor Neuverhandlung und Optimierung
ÖffentlichkeitArbeitsplatzsicherung, Regionale Verantwortung„Übernahme durch Grosskonzern“„Heuschrecken“-Narrativ

Relevante Insights

Lesestoff von IRF-Mitarbeitenden zu den Themen M&A und Kapitalmarktkommunikation:

Investor Relations Handbuch der SIX

Da steht alles Wissenswerte zum Leben als kotierte Gesellschaft drin. Geschrieben hat das Handbuch ein Partner von IRF.

Ad hoc-Publizitätspflicht – Eckpfeiler der Börsenregelwerks

Was lernt man aus den Fehlern von andern? Unsere Expertin verschafft Ihnen einen Überblick über die Sanktionspraxis von Swiss Exchange Regulation im Gebiet der Adhoc-Publizität. Und fasst die Entstehung, Ziele und Umsetzung der Richtlinie in zusammen.