IRF veröffentlicht ESG Monitor Schweiz 2026: ESG-Reporting der Schweizer Blue Chips erreicht die Reifephase
Eine aktuelle Studie von IRF, einem führenden Schweizer Beratungsunternehmen für strategische Kommunikation, zeigt, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung der grössten kotierten Schweizer Unternehmen eine neue Reifephase erreicht hat. Nach Jahren des Aufbaus neuer regulatorischer Anforderungen stehen heute die Qualität der Berichterstattung, belastbare Daten und die Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien im Vordergrund. Gleichzeitig bleiben freiwillige internationale Reporting-Standards ein zentraler Bestandteil der Unternehmensberichterstattung – Unternehmen setzen ihre Prioritäten jedoch gezielter und konzentrieren sich verstärkt auf jene Rahmenwerke, die für ihre Geschäftstätigkeit, ihre Stakeholder und regulatorischen Anforderungen am relevantesten sind.
Freiwillige Reporting-Standards und -Initiativen spielen auch in einem zunehmend regulierten Umfeld weiterhin eine zentrale Rolle in der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Sie unterstützen Unternehmen dabei, Nachhaltigkeitsziele zu definieren, Prioritäten zu setzen sowie Fortschritte transparent zu messen und zu kommunizieren.
Für das Geschäftsjahr 2025 haben alle 47 untersuchten Unternehmen des SMI Expanded einen Nachhaltigkeitsbericht oder ein umfassendes Nachhaltigkeitskapitel im Geschäftsbericht veröffentlicht. Sämtliche Unternehmen wenden mindestens einen der sechs untersuchten internationalen ESG-Standards oder -Initiativen an, rund 70% berücksichtigen mindestens vier Rahmenwerke. Gleichzeitig setzt sich die bereits im Vorjahr beobachtete Konsolidierung fort: Während 2024 noch 20 Unternehmen alle sechs untersuchten Standards anwendeten, sind es 2026 noch neun.
Die gängigsten freiwilligen Standards und ihre Verbreitung im SMI Expanded
Die Standards der Global Reporting Initiative (GRI) bleiben mit 40 von 47 Unternehmen (85%) das mit Abstand am weitesten verbreitete Rahmenwerk. Nach dem Rückgang im Vorjahr stabilisiert sich die Anwendung der SASB-Standards bei 20 Unternehmen (40%). Der UN Global Compact (UNGC) bleibt mit 33 Unternehmen (64%) weiterhin breit verankert. Besonders deutlich ist die Entwicklung bei den Sustainable Development Goals (SDGs): Nachdem sich deren Verbreitung im Vorjahr deutlich reduziert hatte, integrieren 2026 wieder 38 Unternehmen (81%) die Nachhaltigkeitsziele in ihre Berichterstattung. Auch die Beteiligung am Carbon Disclosure Project (CDP) bleibt mit 32 Unternehmen (68%) auf einem stabil hohen Niveau.
Auch die Science Based Targets initiative (SBTi) gewinnt weiter an Bedeutung. 30 der 47 Unternehmen (64%) sind inzwischen in der SBTi-Datenbank registriert. Davon verfügen 27 bereits über wissenschaftlich validierte Emissionsreduktionsziele, während drei weitere Unternehmen derzeit entsprechende Ziele entwickeln. Damit setzt sich der langfristige Trend zu überprüfbaren und wissenschaftlich fundierten Klimazielen fort.

Berichtsintegration und externe Prüfung nehmen weiter zu
Die Nachhaltigkeitsberichterstattung wird zunehmend integraler Bestandteil der Unternehmensberichterstattung. Bereits 31 der 47 Unternehmen (66%) integrieren ihre Nachhaltigkeitsinformationen in den Geschäftsbericht. Damit setzt sich der kontinuierliche Trend der vergangenen Jahre fort: 2021 und 2023 verfolgten noch 24 Unternehmen diesen Ansatz, 2024 und 2025 waren es bereits 30 Unternehmen. Nachhaltigkeit wird damit immer stärker als Bestandteil der finanziellen und strategischen Gesamtberichterstattung verstanden.
Auch die externe Prüfung von Nachhaltigkeitsinformationen gewinnt weiter an Bedeutung. Bereits 91% der Unternehmen lassen ihren Bericht ganz oder teilweise durch eine unabhängige Stelle prüfen. Das stärkt die Glaubwürdigkeit und schafft Vertrauen bei Investoren, Behörden und weiteren Anspruchsgruppen.

Regulatorisches Umfeld verändert sich
Nachdem die Nachhaltigkeitsberichterstattung in den vergangenen Jahren vor allem durch neue regulatorische Anforderungen geprägt war, rücken heute zunehmend Fragen der praktischen Umsetzung in den Vordergrund. Mit dem Omnibus-Paket reagiert die Europäische Union auf die Komplexität der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und der European Sustainability Reporting Standards (ESRS) und schlägt Vereinfachungen sowie zeitliche Verschiebungen bei der Umsetzung einzelner Anforderungen vor.
Auch die Schweiz entwickelt ihre ESG-Regulierung weiter. Mit dem Entwurf des Bundesgesetzes über die nachhaltige Unternehmensführung (NUFG) sollen die Bestimmungen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung und zu den Sorgfaltspflichten künftig in einem eigenständigen Gesetz gebündelt und gleichzeitig an die aktuellen Entwicklungen des europäischen Rechts angepasst werden. Die Studienergebnisse zeigen jedoch, dass Nachhaltigkeit auch in einem veränderten regulatorischen Umfeld ein strategisch wichtiges Thema bleibt. Die Herausforderungen liegen heute weniger im Aufbau zusätzlicher Berichtsstrukturen als vielmehr in der Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien sowie der Bereitstellung belastbarer und überprüfbarer Informationen.
Methode
Der ESG Monitor Schweiz 2026 basiert auf der sechsten umfassenden Analyse von IRF zur Nachhaltigkeitsberichterstattung börsenkotierter Schweizer Unternehmen. Untersucht wurden dazu die bis zum 31. Mai 2026 veröffentlichten Nachhaltigkeitsberichte der 47 Unternehmen des SMI Expanded für das Geschäftsjahr 2025. Bei einem Unternehmen wurde der Bericht des Geschäftsjahres 2024 einbezogen, da dessen Bericht für das Geschäftsjahr 2023 zum Stichtag noch nicht veröffentlicht war.
Im Zentrum stand eine Inhaltsanalyse jener Abschnitte, in denen das Berichterstattungs-vorgehen dargestellt wird. Die Angaben wurden zudem mit den Online-Datenbanken der jeweiligen Standards und Initiativen abgeglichen. Bewertet wurde die Anwendung sechs gängigsten freiwilligen ESG-Rahmenwerke sowie die Form der Berichterstattung. Die Ergebnisse wurden mit den Studien aus 2025, 2024, 2023 und 2021 verglichen.
Über IRF
Über IRF
IRF ist ein führendes Beratungsunternehmen für strategische Kommunikation. Das Unternehmen zählt rund 40 schweizerische und internationale Unternehmen zu seinen festen Kunden. Zudem hat sich IRF in der Krisenkommunikation und bei der Begleitung von Kapitalmarkttransaktionen einen Namen gemacht.